bild
bild
bild
1 2 3

Zeit


"Gott gab den Europäern die Uhr und den Afrikanern die Zeit": Das afrikanische Sprichwort verdeutlicht recht anschaulich, dass Tage, Stunden oder Minuten Maßeinheiten sind, die je nach Kultur verschieden wahrgenommen oder eingeschätzt werden und mit denen unterschiedlich umgegangen wird. Diese kulturabhängigen Unterschiede im Zeitempfinden können zu groben Störungen bei der Zusammenarbeit führen; bspw. bei der Umsetzung und Steuerung von internationalen Projekten. Hinsichtlich der Wahrnehmung von Zeit und eben auch sich daraus ergebenden Verhaltensweisen bzw. dem Umgang mit Zeit oder Zeitmanagement können nach Edward T. Hall im Prinzip zwei Arten von Kulturen unterschieden werden:


Bewegen Sie bitte die Maus über die Titel in der Grafik und klicken Sie dann auf die Pfeile.

Deutsches Verständnis von Zeit spiegelt sich deutlich im Sprachgebrauch, denn die "Zeit anhalten" oder "zurückdrehen" zu wollen, zeugt vom linearen Zeitverständnis. Begleitet von Attributen wie "nachtschlafend" oder "bleiern" ergibt Zeit hingegen für viele kaum mehr Sinn. Zeit wird heute weithin als "kostbares Gut" akzeptiert und soll nicht "verloren" oder "vergeudet" werden. Aussagen darüber, dass Zeit wertvoll ist und genutzt werden sollte, gehen bis in die Antike zurück. Geläufig ist vor allem auch der sprichwörtliche englische Ausdruck ‚Time is money', der durch Benjamin Franklins 1748 erschienene Schrift ‚Advice to a Young Tradesman' besondere Verbreitung fand'. Auch Superlative werden genutzt: sowohl die "längste Zeit" als auch die "höchste" oder "allerhöchste Zeit" sind geläufige Redewendungen. Diese Ausdrücke spiegeln den "Zeitdruck", der von vielen Angehörigen individualistisch ausgerichteter Kulturen empfunden wird. Der "Zeitgeist" wiederum spiegelt sich darin, dass viele Menschen "mit der Zeit gehen" oder zumindest "ein Kind ihrer Zeit" sein möchten. Im Unternehmen schließlich wird sie wie weiter oben bereits erläutert messbar und auch mit Geld gleichgesetzt, insofern kann "die Zeit geraubt" oder "gestohlen" werden. Man kann "sich Zeit nehmen" oder "Zeit lassen", man kann "Zeit gewinnen" oder auch "finden".
Diesseits kultureller Aspekte der Wahrnehmung von Zeit ist diese freilich eine physikalische Größe und vor allem ein zentrales und höchst interessantes Forschungsobjekt der Physik und Philosophie. Albert Einstein antwortete auf die Frage "Was ist Zeit" ausweichend - oder listig? - "Zeit ist das, was man an der Uhr abliest". Heute treffen sich Naturwissenschaften und polygones Zeitverständnis im Forschungsinteresse:

Geschehen Dinge weil Zeit vergeht oder vergeht Zeit weil Dinge geschehen?

Der Physiker Julian Barbour sagt dazu: "Nicht Zeit ist das Maß von Ereignissen, sondern Ereignisse sind Maß der Zeit." Die Theorie der "Schleifen-Quantengravitation" wiederum beschäftigt sich ebenfalls mit einem Thema, das von Aymará-Indianern bekannt ist. Diese deuten nach hinten, wenn sie über die Zukunft sprechen, denn sie haben ein zyklisches Verständnis von Zeit. Viele Quantenphysiker bestreiten diese Möglichkeit heute nicht mehr unbedingt. Wenn für die Quantengravitation die Zeit eine "irrelevante Mittelwertsgröße" darstellt, ist sie einfach verfügbar, einfach da - ganz wie in vielen afrikanischen Kulturen empfunden. Diese Darstellung hier ist freilich grob vereinfacht und stellt unzulässige Bezüge her. Aber neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringt möglicherweise die Forschung mit dem Teilchenbeschleuniger des Genfer Cern-Kernforschungsinstituts.

Hier einige weitere interessante Online-Quellen zur naturwissenschaftlichen Herangehensweise an dieses Thema:


> Woher weiß die Uhr wie spät es ist? Ein physikalisch-philosophischer Exkurs von Wolfgang Neundorf
> Phänomen Zeit: Die Geschichte der Zeitmessung.
> Einführung in Zeitreise-Konzepte an der Stanford University
> Zeitschrift maßstäbe 6 - Zeitgeschichten

> Vortrag von Professor Dr. Harald Lesch zum Thema "Was ist Zeit?" (Videostream)
> Ausführliche Geschichte des westlichen Kalenders



Und weitere interessante Links:
> Zeitforum
> Wiederentdeckung der Langsamkeit
> Der Zeitbrief
> N. Elias: "Über die Zeit"
> F. Reheis: Entschleunigung
> R. Neunteufel: Zeit & Geld
> TimeTicker
> Uhrschrei
> Letter-to-the-Future
> Wie nah ist zeitnah?
> Weltzeituhr
> Zeitkonzepte im Mittelalter
> Eigenzeit
> Stefan Klein: Zeit. Der Stoff, aus dem das Leben ist.

Kontakt

Gláucia Maria de Queiroz
Telefon:
++49 (0)228 /929 838 67  
eMail: dialogättinterkulturelles-training.eu